Frosttage, Hitzetage, Tropennächte
Klimaindikatoren zählen, wie viele Tage im Jahr eine gegebene Schwelle überschreiten — Frost, starke Hitze, Regen, eine warme Nacht — und beschreiben so die Verteilung eines Klimas dort, wo ein Jahresmittel es lediglich zusammenfasst.
Warum Tage zählen statt mitteln
Zwei Städte können exakt dasselbe Jahresmittel teilen und nichts gemeinsam haben. Die eine bleibt das ganze Jahr in einem engen Band; die andere wechselt zwischen harten Wintern und glühenden Sommern, die gemittelt dieselbe Zahl ergeben.
Eine Tageszählung stellt wieder her, was der Mittelwert zerstört. Sie beantwortet konkrete Fragen — wie viele schlaflose Nächte, wie viele Tage Schneeräumen — und lässt sich zwischen Orten vergleichen, ohne dass jemand eine Verteilung deuten müsste.
Sie ist auch die Form, in der sich der Klimawandel am deutlichsten liest. Anderthalb Grad Erwärmung sind in einem Jahresmittel nicht zu spüren; sehr wohl sichtbar wird es, wenn ein Ort von sechzig Frosttagen auf fünfunddreißig geht.
Frosttag — Tiefsttemperatur unter 0 °C
Ein Tag zählt als Frosttag, wenn seine Tiefsttemperatur unter 0 °C fällt. Die Schwelle gilt für das Tagesminimum, nicht für den Mittelwert: Ein Tag kann nachmittags deutlich über null liegen und im Morgengrauen dennoch Frost gehabt haben.
Es ist der gegenüber der Erwärmung empfindlichste und bei Weitem lesbarste Indikator. Er betrifft Landwirtschaft — Spätfröste auf Kulturen — ebenso wie Bauwesen und Straßenunterhalt.
Hitzetag — Höchsttemperatur von mindestens 30 °C
Ein Tag zählt als Hitzetag, wenn seine Höchsttemperatur 30 °C erreicht oder übersteigt. Die Schwelle von 30 °C ist in Europa verbreitete Praxis; andere Regionen zählen ab 35 °C, ein internationaler Vergleich verlangt daher zu prüfen, dass beiderseits dieselbe Schwelle angewandt wurde.
Ein Hitzetag ist keine Hitzewelle: Eine Hitzewelle ist über die Dauer und über Nächte definiert, die keine Abkühlung bringen, nicht über das Überschreiten einer Schwelle an einem einzelnen Tag.
Tropennacht — Tiefsttemperatur von mindestens 20 °C
Eine Nacht heißt tropisch, wenn die Temperatur nicht unter 20 °C fällt. Es ist der gesundheitlich wichtigste der vier Indikatoren und der am meisten unterschätzte.
Der Grund ist physiologisch: Der Körper verträgt einen sehr heißen Tag, wenn er sich nachts erholen kann. Es ist die Häufung von Nächten ohne Entlastung, die Hitzewellen tödlich macht, weit mehr als die Tagesspitze. Es ist auch der Indikator, bei dem der städtische Wärmeinsel-Effekt am stärksten ist — eine dichte Stadt gibt nachts die tagsüber gespeicherte Wärme ab.
Regentag — mindestens 1 mm Niederschlag
Ein Tag zählt ab 1 mm aufsummiertem Niederschlag als Regentag. Die Schwelle schließt Spuren und Nieselregen aus, die nichts nass machen und die Summe sonst künstlich aufblähen würden.
Dieser Indikator wird immer zusammen mit der Jahressumme gelesen, nie allein. Viele Regentage und eine niedrige Summe beschreiben ein ozeanisches Nieselklima; wenige Regentage und eine hohe Summe beschreiben heftige, seltene Güsse, was ein ganz anderes Regime ist — und ein ganz anderes Risiko.
Was eine Schwelle mit sich bringt
Eine Schwellenzählung ist unstetig: Ein Tag mit 29,9 °C zählt nicht, ein Tag mit 30,1 °C zählt voll. In einem Klima, dessen Verteilung sich um die Schwelle drängt, kann eine geringe Verschiebung des Mittelwerts daher eine spektakuläre Änderung der Zählung erzeugen.
Das ist kein Mangel der Messung, sondern eine Eigenschaft, die man kennen muss: Schwellenindikatoren verstärken das Signal, was sie sehr lesbar macht, aber verbietet, sie wie proportionale Größen zu lesen.
Zur Erinnerung an die Auflösung: Diese Zählungen stammen aus ERA5-Zellen von rund 28 km Kantenlänge. Sie beschreiben eine Gitterzelle, keinen Garten — und auch keine Innenstadt, deren Wärmeinsel kleiner ist als die Zelle.